Astronomie - warum?

Es sind doch nur Himmelsobjekte, die wir zwar bestaunen aber doch als “Normalsterbliche“ nicht besuchen, erreichen und für uns nutzbar machen können. Wir haben doch hier auf unserer Erde genug Probleme – richtig.


Wir Menschen benehmen uns sehr überheblich, wir glauben den Olymp erstürmt zu haben und Göttern gleich die Erde regieren zu können. Wir wollen alles bestimmen, regeln und nach „unserer Pfeife“ tanzen lassen.


Doch wechseln wir unsere Perspektive und betrachten unsere Welt, die Erde, aus astronomischer Sicht.


Unsere Sonne ist ein mittelgroßer konstant strahlender Hauptreihenstern. Nach heutigen Berechnungen bildet sie mit ca 200 Milliarden weiteren Sternen unsere Heimatgalaxie die Milchstraße – eine Balken Spiralgalaxie mit einem Durchmesser von ca 100.000 Lichtjahren. Unzählige weitere Galaxien bevölkern den Kosmos. Die Distanzen sind unvorstellbar groß

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Das Licht legt im leeren Raum knapp 300.000 km pro Sekunde zurück. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt - das heißt 9,45 Billionen Kilometer – diese Distanz kann man nur mit Hilfe einer Modellvorstellung erahnen.

Stellen wir uns vor, unsere Sonne wäre so groß wie eine Orange und unsere Erde so groß wie ein Stecknadelkopf, der in ca 8 m Entfernung unsere Modellsonne umkreisen würde. Ein uns nahgelegenes Sternsystem Alpha Centauri ist von uns „nur“ 4,3 Lichtjahre entfernt, was in unserem Modell 2.400 km entsprechen würde. Vielleicht kreisen auch um diesen Doppelstern in der Größe zweier Orangen stecknadelkopfgroße Planeten. Wir sehen also, es handelt sich um gigantische Distanzen und Lebensraum ist nur eine winzige, praktisch punktförmige, Besonderheit im lebensfeindlichen Weltraum.


Es wird uns sehr rasch klar, wie zerbrechlich unsere „heile Welt“ ist. Wir leben in einer hauchdünnen Sphäre von 4 km Stärke auf ca 29% der Oberfläche einer Kugel mit gut 12.700 km im Durchmesser – und mehr nicht - und es gibt weit und breit im All keinen vergleichbaren Ort, der uns zusätzlich annähernd gleich gut behüten könnte. Wir haben begrenzte Ressourcen an Trinkwasser, Atmosphäre, erneuerbaren Rohstoffen und Bodenschätzen, verhalten uns aber so, als wäre alles unbegrenzt für uns verfügbar. Die Erde und ihre Biosphäre gehören nicht uns - wir gehören zu ihr und wenn wir ihre Gesetze von der Erhaltung des Gleichgewichts nicht respektieren, kappen wir unseren eigenen Lebensfaden und den vieler Tier- und Pflanzenarten mit dazu. Wir tragen durch unseren Entwicklungsstand große Verantwortung und müssen diese unbedingt wahrnehmen, wenn wir nicht aus dem evolutionären Prozess ausgeschieden werden wollen. Eine wichtige Tatsache im Rahmen der Apollo-Mondflüge war neben der technischen Höchstleistung und der geologischen Erforschung der Mondoberfläche der Rückblick auf unsere Erde als Planet und dabei die Erkenntnis, wie begrenzt doch unser Lebensraum ist. Einer der Astronauten hat sie damals vom Mond aus betrachtet und sehr treffend mit einer „wunderschönen und zerbrechlichen Christbaumkugel“ verglichen. Mobilisieren wir all unsere Kräfte, damit sie wirklich nicht zerbricht!!

Blick vom Mond auf die Erde  -                                          Acrylbild kombiniert mit einer Sternfeldaufnahme  - Arno Seiss 2009
Blick vom Mond auf die Erde - Acrylbild kombiniert mit einer Sternfeldaufnahme - Arno Seiss 2009

Die Astronomie ist die Wissenschaft des Makrokosmos und beschäftigt sich unter anderem auch mit grundlegenden Fragen unseres Seins. Wie ist unsere Lebensinsel entstanden ? Wohin wird sie voraussichtlich gehen? Welche Voraussetzungen  bedurfte es, damit wir überhaupt hier sein können. Echte Grundlagenforschung fragt nicht nach dem Nutzen.

 

Es ist faszinierend, dass wir als kleine Wesen bereits schon so viel über den Kosmos und seinen Himmelskörpern in Erfahrung bringen konnten. Wir beginnen langsam die großen Ereignisse am Himmel zu verstehen, erkennen die Entwicklungen und Abläufe großer kosmischer Prozesse und weiten ungestüm unser Wissen darüber aus. Auch wenn wir physisch an unseren Planeten noch gebunden sind, schweift unser Geist durch Raum und Zeit und findet sich mit viel Fantasie auf fernen Welten und Schauplätzen kosmischer Veränderungen.

 

Ich bin auch überzeugt, dass sich Leben nicht nur auf der Erde abspielt, sondern ein universelles kosmisches Prinzip darstellt. Die sprunghaften Entdeckungen von Exoplaneten in den letzten Jahren zeigt uns, dass Planetensysteme nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel sind und dass wahrscheinlich die Zahl der Planeten alleine schon in unserer Milchstraße gigantisch ist.

 

"Die Wirklichkeit übertrifft die Erwartungen unserer Träume bei weitem" Zitat aus dem Film "1492" Christopher Columbus